“Noch immer schreiben die einen, um nicht verrückt zu werden, die anderen, um es auszuprobieren; andere schreiben, um geliebt zu werden, und wieder andere, um sich die Welt vom Hals zu schaffen.
Die einen ergreifen einen Brotberuf, die anderen leben von Preisen und Stipendien. Interessant ist darüber hinaus die konsequente, generationenübergreifende Verweigerung eines gesellschaftlichen Auftrags, jeder sieht sich nur sich selbst verpflichtet. Auch mag kein Klagen über sich änderndes Lebensgewohnheiten aufkommen, kein Jammern über den Literaturbetrieb, keine Sorge um Sprachkorruption und schlechte Feuilletonmanieren. Und spätestens hier ist Skepsis geboten. Der bescheidene Perspektivismus aller Gesprächsteilnehmer, die abgeklärte Nüchternheit gegenüber Erfolg und Konkurrenz, die zuversichtlichen Zukunftspläne ergeben ein abgerundetes Bild der Schriftstellerexistenz, in der man entweder alle Aufregungen hinter sich hat oder aber sich vorgenommen hat, sich über nichts mehr aufzuregen.”
aus: Cremeschnitte der Literaturkritik, aus einer Rezension von Silvia Henke zu D. Lenz und E. Pütz: Lebensbeschreibungen. Zwanzig Gespräche mit Schriftstellern. Edition Text und Kritik München