Fr 23 Jan 2009
Fragen Sie Marcel Reich-Ranicki: “Wo verläuft die Trennlinie …?”
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[3] Kommentare
hier die leserfrage von Hans Jürgen Knufinke, Eschborn, in der wöchentlichen kolume des bekannten literaturkritkers M. R.-R. in der FAZ:
“Wo verläuft die Trennlinie zwischen Trivial- und “großer” Literatur? Gibt es das eine oder andere zuverlössige Indiz? Wer entscheidet das eigentlich?”
“Ein zuverlässiges Indiz, das uns erlaubt, die Trennlinie, von der Sie sprechen, zu erkennen, gibt es sehr wohl: Es ist die Sprache. Nichts unterscheidet den in Süddeutschland und Österreich, glaube ich, doch wohl unterschätzten Novellisten Theodor Storm von den Trivialautoren gegen Ende des 19. Jahrhunderts so eindeutig wie eben sein Stil. Über die Zugehörigkeit bestimmter Autoren oder Werke entscheiden diejenigen, die sich öffentlich über Literatur äußern: die Kritiker, die Literaturwissenschaftlicher, die Literaturhistoriker, die Redakteure.”
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24. Januar 2009 um 00:10
Über die Zugehörigkeit bestimmter Autoren oder Werke entscheiden diejenigen, die sich öffentlich über Literatur äußern: die Kritiker, die Literaturwissenschaftlicher, die Literaturhistoriker, die Redakteure.”
ach ja…sie entscheiden. zuverlössig
öffentlich
Merci für den Hinweis, das ist so entlarvend…
24. Januar 2009 um 19:13
ohmann, reich-ranicki muss man langsam vor sich selbst in Schutz nehmen. Dieses Geraunze in der FAZ wird immer dekret- und formelhafter. Manchmal denk ich, er ist schon in den Kritikerhimmel vorgegangen und hat nur sein eigenes Klischee zurückgelassen. Gibt’s da eigentlich keinen, der ihm mal am Ärmel zupft und beiseite nimmt und ihm zumurmelt: Du Marcel, nich’ überschnappen, lass mal gut sein jetzt…
22. April 2009 um 15:53
Zufällig habe ich im Rahmen einer Internet-Recherche diese Diskussion hier gefunden. Da ich der Autor der Frage an MRR bin, würde ich gerne etwas anmerken.
Ich mag befangen sein, weil ich mich natürlich gefreut habe, dass meine Frage von dem Großen MRR zur Kenntnis genommen und sogar beantwortet wurde.
Aber: ich fand nichts überhebliches in dieser Antwort. Meines Erachtens spricht er mit der Benennung der Kreise, die über trivial oder hochwertig entscheiden, nur eine – vielleicht unbequeme – Wahrheit gelassen aus. So, wie er sagt, ist das nun mal und es ist vielleicht auch gut so. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Wer entscheidet, ob Sebastian Schweinsteiger ein guter Fußballer ist oder nicht? Das entscheiden seine Mitspieler, seine Gegenspieler und die Sportreporter, die sehr, sehr viele Fußballspiele(r) gesehen haben. Wer sich mit dem Thema “Fußball” nicht befasst oder sich jedenfalls nicht dazu äußert, wird naturgemäß an dem Vorgang der Bewertung und Einstufung der maßgeblich darin involvierten Akteure auch nicht beteiligt. Warum sollte für die Literatur anderes gelten?