im Gespräch mit Michael Maar erzählt Michael Köhlmeier wie sein roman „Abendland“ entstand:

„Ich wußte am Anfang nicht, worauf das hinausläuft. Es war ein tändelnder Beginn. Zwei, drei, vier Geschichten, die im Roman erzählt werden, waren irgendwann als in sich geschlossene Erzählung da. Aus ihrer Verknüpfung hat sich so etwas wie ein Romanboden ergeben. Mir schwebte die Dramaturgie eines Abends mit Freunden vor, die Dramaturgie einer lebendigen Erzählung, die sich aus verschiedenen Quellen speist. Man sitzt zusammen, einer beginnt eine Geschichte zu erzählen, an einem gewissen Punkt unterbricht ihn ein anderer, weil ihm etwas Wichtiges dazu einfällt, ein Dritter springt zu einem ganz anderen Thema, der Erste setzt seine Erzählung fort und so weiter … Am Ende sind viele Geschichten erzählt worden, aber in Wahrheit doch nur eine, nämlich die Geschichte dieser Freunde und ihres gemeinsamen Abends. Ich mag das, wenn in einem Roman Personen auftreten, die sich nicht gleich von vornherein unter die Dramaturgie des Protagonisten zwingen lassen, die stolz sind und sagen: Ich weiß schon, ich bin nicht die Hauptfigur, aber ich könnte die Hauptfigur sein. Eine Person besteht aus ihren Geschichten, aus ihrer Geschichte. Nur vor dieser Geschichte wird ein Charakter sichtbar. Treten wir zurück, erkennen wir in dem Mosaik all dieser Geschichten die Historie.“