eine faszinierende interpretation für autobiografisches schreiben habe ich bei Paul Theroux als vorwort des autors gefunden. und weil gerade dieses genre, das verbinden von authentischem und fiktivem leser und schreiber so oft unsicher macht, möchte ich es heute gern aus dem großartigen buch „Mein anderes Leben“ (Hoffmann und Campe) zitieren:

„Dies ist die Geschichte eines Lebens, das ich gelebt haben könnte, wenn einiges anders gewesen wäre es ist ein erdachter Lebensbericht. Weil ernsthafte Travestie jedoch ihre Grenzen hat und weil Erinnerungen eben doch eine Rolle spielen, hat selbst ein erdachtes Leben Ähnlichkeit mit dem tatsächlich gelebten; dennoch habe ich in dieser Geschichte immer dem gemurmelten ‚Was wäre wenn‘ meines alter egos nachgegeben. (…)
Und was mein zweites Ich betrifft, den Paul Theroux, der so aussieht wie ich: Er ist bloß irgendein Mann mit einer Mske. Es ist das Vorrecht des Schriftstellers, gewisse Fassaden aufrecht zu erhalten und im Getümmel des Maskenballs auch sein eigenes Gesicht erscheinen zu lassen. Das war der einzige Bereich, in dem ich mir keine Freiheiten gestattet habe. Der Mann ist erfunden, aber die Maske ist echt.“