Do 19 Jun 2008
arabische lyrik und ihr verlag
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[4] Kommentare
arabische lyrik ist meinem empfinden oft näher als die moderne lyrik unserer urbanen dichter. obwohl ich nicht gezielt nach arabischen gedichten suche, bin ich glücklich, wenn ich ihren poeten begegne. diesmal habe ich nachgeforscht und den Verlag Hans Schiler Berlin gefunden, der von Saif ar-Rhahbi im vorigen jahr einen gedichtband arabisch/deutsch im programm hat mit dem titel die übersetzungen haben Khalid al-Maaly und Heribert Becker übernommen. Als kämen sie vom Ende des Lebens und es endet: Das Erinnern war
Vom Heulen der Wölfe
ein schönes bild ist schon der titel des gedichts: Bäume, die fortziehen
und darin diese zeilen:
dessen Anfang in Lärm versunken ist
als kämen sie vom Ende der Welt
folgen sie Sternen
ihre einzige Brücke ins Entschwinden.
21. Juni 2008 um 19:16
Ich habe das große Glück einen tunesischen Dichter persönlich zu kennen. Leider gibt es von ihm aber noch keine deutschen Übersetzungen.
Ich weiß aber, dass er derzeit an einem Projekt mit einem deutschen Schriftsteller zusammen arbeitet. Vielleicht kann man sich dann auch bald auf seine Poesie auf deutsch freuen.
Ich muss aber ehrlich gestehen, dass ich arabische Literatur, also Epik, lieber mag als Lyrik.
13. September 2008 um 20:24
Hallo,
was waere wenn man ein deutsches, klassisches Gedichts ins Hocharabische uebertraegt und es wieder zum Deutschen zureuckbringt ? Da die klassische Sprache im Arabischen – so wie die arabische Musik -”Vierteltoene” besitzt, die man Tashkeel nennt, verspricht diese Uebung, die ich ganz einfach “halbe Drehung” eines Gedichtes nenne, interessant zu sein.
Hier ein Resultat dieser Erfindung (angewandt auf ein Gedicht Rilkes) :
Vorfruehling (Rilke)
Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
Vorfruehling (Variation)
Es wich die späte Härte dem Erbarmen
des angebauten Grüns aus tiefem Grau
und Hoffnung kam mit ausgestreckten Armen
und gab sich hin im frühen Morgentau.
Und ihre zarten Finger zupften leise
an fernen Harfen helle Melodien,
dass kleine Wässer angespannt im Kreise
der weiten Felder Farbenharmonien
auf einmal schimmerten in einer Weise,
die Töne wandelte in Nostalgien.
Und da ersann sich mancher leere Baum
die jungen Äste in der Blütezeit.
Er hob die ganze Landschaft an im Raum
und zeigte ihr die Himmelsbläulichkeit.
Naser
Gruss
12. Oktober 2008 um 09:43
Finde ich sehr interessant!
Der Sinn wird erhalten, nur verpackt in *blumigen* Worten.
Man erfasst die Nuancen beim Lesen direkt und gewinnt ein fertiges Gemälde vor Augen.
Ich mag das…..
12. Oktober 2008 um 17:30
Gut für uns, Naser, dass Sie hier mittun! Danke!
“Es wich die späte Härte dem Erbarmen” sagt viel mehr, als “Härte schwand”. “Wich” sagt meinem Verständnis nach, dass sie sich nicht gegen etwas auflehnte, während “Härte schwand” meinem Empfinden nach gewalttätig klingt; sie ging nicht ohne Kampf!
Ihre Übersetzung strotzt vor Lebendigkeit!Die Vierteltöne fehlen hier, in Deutschland, an allen Ecken und Enden, ist mein Erleben. Ich will helfen, sie zu neuem Leben zu erwecken. Herzliche Grüße Ihnen.
Berthild Lorenz