Ryszard Kapuscinski, den seine kollegen bewundernd Reporter des Jahrhunderts nannten, hatte bereits etliche bypässe erhalten als er im jahr 2007 an einem herzinfakt starb. sein letztes buch „Notizen eines Weltbürgers“ (Eichborn) konnte er noch beenden. aus ihm entnehme ich die folgende passage, die von seiner letzten sehnsucht spricht:

„Nach jahrelangen Reisen durch die Welt sehne ich mich heute nach einer Klosterzelle. Leere Wände, eine Tür, ein Fenster, ein Bett, ein Tisch, ein paar Bücher, Papier, ein Bleistift, ein Fenster hinaus zum Klostergarten. Dieser ist leer bis auf einen Baum. Ein Stück Wiese, Berberitzensträucher. Sonst ist nichts zu sehen. Von draußen dringen keine Stimmen herein. Manchmal veriirt sich ein Vogel ins Zimmer. Manchmal regnet es. Im Winter wird es weiß.“

der polnische journalist und buchautor Ryszard Kapuscinski, der in seinen reportagen und berichten, korruption, widersprüche, unrecht in jeder form, grausamkeit und politischen mißstand angeprangert hatte, konnte sich selbst und sein herz vor dem eigenen engagement nicht schützen. nachdem er erkannt hatte, dass er mit all seinem schreiben nichts bewirken konnte, sehnte er sich desillusioniert nach dem rückzug in die abgeschiedenheit einer klosterzelle. er ist für mich das vorbild eines verantwortungsvollen journalisten und hat einen hohen preis für seine haltung bezahlt.