„Ein Dichter kann nicht leben ohne zu schreiben,“ sagt Karl Heinz Bittel, der lektor von Walter Kempowski war, und: „Ich kann auch anders. Nachweislich.“
dabei hat der Osberg Verlag gerade seinen ersten roman Eine Art Verrat, herausgebracht. er erzählt eine vater-sohn-geschichte im schriftstellermilieu des frühen 20. jahrhunderts, die genug stoff für psychoanalytiker bietet und unglücklich endet. die figuren sind vater Thomas Mann und sohn Klaus nachempfunden, die beide unter anderem auch probleme mit ihren homosexuellen neigungen hatten. Uwe Wittstock, literat und journalist, hat das buch rezensiert und dabei treffende worte über lektoren und autoren gefunden:

über das werden eines lektors beispielweise:

„Schließlich gibt es für ihren Beruf keinen festgelegten Ausbildungsgang, sondern nur die jeweils selbst gesuchten Wege, die bei dem einen mal mehr, bei dem anderen mal weniger direkt zum Ziel führen. Das ist wohl auch gut so, denn was ein Lektor neben der Leidenschaft fürs Büchermachen und möglichst umfassenden Kenntnissen zur Literatur am dringensten braucht, ließe sich ohnehin recht schwer lehren.
Zum einen nämlich die Fähigkeit, sich immer wieder neu auf die vielen Eigentümlichkeiten, kleinen Schwächen und großen Eitelkeiten jedes einzelnen Schriftstellers einzustellen – und dazu gehören bei Gott nicht die holdseligsten Charaktere. Zum anderen, das dipöomatische Geschick, die Bedürfnisse der Schriftsteller mit den Bedürfnissen der Verleger in Einklang zu bringen, die ebenfalls nicht zu den durch und durch rationalen, unkomplizierten Wesen gehören – denn sonst würden sie vermutlich Schraubenfabriken leiten und nicht Buchverlage.“

im letzten absatz der buchbesprechung fließt wahrscheinlich auch Uwe Wittstocks eigene erfahrung als cheflektor bei S. Fischer mit ein, der seine schriftsteller gut kennen gelernt hat:

„So sind sie – führt uns Bittels Roman vor -, so sind manche großen Dichter, die nicht leben können ohne zu schreiben, schaut sie euch an: Jeder wird vor ihren Augen zu Material für ihr Werk und jeder wird allein unter dem Gesichtspunkt betrachtet, ob er dem Werk nützt oder ob er ihm schadet. Schön ist das nicht für die Menschen in ihrer Umgebung, schön ist nur das Werk.“
ich mss gestehen, ich bin sehr neugierig auf dieses buch.
Karl Heinz Bittel: Eine Art Verrat., Osberg, Berlin