der über tausend seiten schwerstroman “Die Wohlgesinnten” des französischen schriftstellers Jonathan Littel ist kaum im deutschen buchhandel und schon steigt er auch auf deutschen bestsellerlisten. aus einem artikel in der FAZ “Die Grammatik der Toten – Jonathan Littell parierte bei seinem ersten Auftritt in Berlin fast alle Fragen ungerührt: ein bisschen Belmondo, ein bisschen Becket” von Hubert Spiegel:

Zitat:
“Wie es sich anfühle, wenn man das Elend und die Grausamkeiten der Massenexekutionen so detailliert beschreibe, wenn man am Schreibtisch im Blute der Exekutionsopfer wate, hatte Daniel Cohn-Bendit Stunden zuvor gefragt, und Littel hatte nach kurzem Zögern kühl geantwortet, das die Leiche im Moment des Schreibens eine grammatikalische Form sei, und damit provokant die Täterpsyche zitiert, die das Opfer im Moment der Tat von einem Menschen zu einer Sache werden lässt.”

der schriftsteller ist ein brillianter intellektueller, aber eine solche kälte und distanz zum stoff ist für den leser nahezu unerträglich. aber wäre es überhaupt möglich, hunderte von seiten mit unvorstellbaren grausamkeiten zu füllen u n d dabei das leiden der opfer mitzufühlen? muss der autor dazu vielleicht zum arzt werden, der sich auch täglich verhärten und verschließen muss gegen die not seiner patienten wenn er quasitodesurteile ausspricht?