Do 24 Jan 2008
der erste satz – der schiere horror
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[4] Kommentare
in ES von Stephen King lautet er:
“Der Schrecken, der weitere 28 Jahre kein Ende nehmen sollte – wenn er überhaupt je ein Ende nahm -, begann, soviel ich weiß und sagen kann, mit einem Boot aus Zeitungspapier, das einen vom Regen überfluteten Rinnstein entlangtrieb.”
ja, das ist der reine fliegenfänger, da gibts kein losreißen. und das wollen wir alle auch können oder zumindest immer wieder versuchen und wenn es nur bei dem einen grandios gelungene satz bliebe … immer wieder versuchen!
24. Januar 2008 um 19:13
Wie lange er es wohl versucht hat?
4. Februar 2008 um 00:37
Die Ladentische in den Kaufhäusern quellen über mit Stephen King-Büchern und irgendwie scheinen sich jetzt alle angewöhnt zu haben (aus Verzweiflung? Ermüdung? Resignation? Einsicht? Angst, den Anschluss zu verlieren?) Stephen King zu allem übergewichtigen Erfolg auch noch für einen guten Schriftsteller zu halten. Andere Leute schreiben auch gute erste Sätze, haben weniger Erfolg, haben weniger Chancen, für ihre ersten Sätze auch gelobt zu werden oder es ist schon längst vergessen worden, sie zu loben. Ich habe das hier entdeckt:
“Jeder weiß, dass während einer Reihe gewöhnlicher, normaler Sommer die absonderlich gewordene Zeit manchmal aus ihrem Schoß andere Sommer, merkwürdige Sommer, entartete Sommer gebiert, denen mitunter – wie ein sechster, kleiner Finger an der Hand – ein dreizehnter, falscher Monat wächst.”
… was ein Hammersatz ist, seinem Autor aber deutlich weniger zählbaren Erfolg beschert hat, aber im Leben wie in der Literatur geht es selten gerecht zu…
8. Februar 2008 um 23:49
soooo toll ist er nun auch wieder nicht,dieser satz. ein bißchen überkonstruiert, finde ich. aber das ist king sowieso.
17. Februar 2008 um 16:22
Der Satz mit dem »Sommer« ist äußerst prätentiös und überladen, und ich halte das für keinen guten Stil.
Ob King ein guter Schriftsteller ist, das sei dahingestellt, denn was ist ein »guter Schriftsteller«? King schreibt Unterhaltungsliteratur, und das sehr erfolgreich. Und das beschwört von anderen, nicht so erfolgreichen Schriftstellern sofort Neid herauf.
Wenn ich Lektorin wäre und den Satz mit dem »Sommer« hier oben als ersten Satz in einem Manuskript auf den Tisch bekäme, würde ich das Manuskript sofort zuklappen und ablehnen.
Bei Kings Satz allerdings auch
, denn er ist mir eindeutig zu lang. So ungefähr das Gegenteil von »Ilsebill salzte nach«, der hinwiederum zu kurz ist.
Ja, was soll man machen? Rechtmachen kann man es niemand. So soll jeder die Bücher lesen, die er mag.
Und ich schreibe die, die ich mag.