Di 22 Jan 2008
die “bösen” tagebuchschreiber
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[2] Kommentare
vielmehr ihre geständnisse in den zu lebzeiten nicht immer ganz geheimen heften und büchern sind jetzt in Zürich im Museum Strauhof zur Geschichte der Tagebücher anzusehen. leider viel zu weit weg von Berlin! die journalistin Pia Reinacher hat über diese ausstellung einen artikel geschrieben und ihm gleich ein paar bemerkungen von schriftstellern als kostprobe beigegeben:
veröffentlichung erst nach 30 jahren erlaubt: Elias Canetti
“Dieses “böse” Tagebuch – böse gegen mich und gegen andere – das muß absolut geheim bleiben.”
blieb es aber nicht und heute kann jeder nachlesen, wie böse Canetti seine schriftstellerkollegen beurteilt hat.
beliebte feuerbestattung:
Max Frisch - Einmal wurde alles Geschriebene zusammengeschnürt, inbegriffen die Tagebücher, und alles dem Feuer übergeben.
Brigitte Reimann - verbrannte 20 Tagebücher auf einmal und die eines ganzen weiteren jahres mit der begründung: “Überspannte Liebesgeschichten – weg damit.”
Thomas Mann - “Übrigens: Ich habe es dieser Tage bei mir ganz besonders warm. Ich verbrenne nämlich sämtliche Tagebücher. Es wurde mir peinlich und unbequem eine solche Masse von geheimen – sehr geheimen – Schriften liegen zu haben.”
es soll auch ein kleines beichthäuslein in der ausstellung geben, in das man sich zurückziehen kann, um den erotichen geständnisse von tagebuchschreibern zu lauschen.
12. Februar 2008 um 18:23
Ich besuchte die Tagebuch-Ausstellung in Zürich im Strauhof. Augustinergasse kenne ich, so ging ich die Gasse hoch, da lag etwas versteckt das kleine alte Gebäude, welches von aussen recht romantisch wirkt. Innen erwies es sich grösser als gedacht.
Den Gefallen, den ich erweisen wollte, der hat sich für mich gelohnt, ich war fasziniert! Ich glaube, jemand, der gerne Tagebuch schreibt, ist mehr als begeistert von dieser kleinen, aber inhaltlich reichen Ausstellung. Aber es gibt ja auch solche, die denken, warum soll ich Tagebuch schreiben, ist doch gar nicht nötig und ausserdem könnte es ja jemand lesen…, ich wette, nach der Ausstellung schreiben auch diese Besucher ein Tagebuch.
Gerade da motiviert die Ausstellung enorm, unglaublich. Tagebücher habe ich gesehen, kleine, mittlere, grössere Tagebücher, Schriften, die ich teils kaum lesen konnte, aber auch schön gestaltete Bücher, Hefte mit Zeichnungen, Bilder , Eingeklebtem, Ideen, simple Hefte, schöne Einbände, auch besonders geheimnisvolle Tagebücher von bekannten Persönlichkeiten.
Die Räume waren interessant gestaltet, jede Stellwand hatte ein Thema, über Kopfhörer konnte man teils sogar den original Stimmen lauschen oder einen Video Ausschnitt dazu sehen. Die Themen – es waren so viele – im ersten Moment erinnere ich mich besonders an „Vom Sterben. Letzte Zeilen“ und da besonders die von Klaus Mann.
Dabei waren fröhliche, erotische, ernste Themen, ich glaube, ich muss nochmals hingehen und die Ausstellung ein zweites Mal inhalieren.
von Maren
17. Februar 2008 um 16:05
Wie gut, daß ich nicht Tagebuch schreibe. Dann muß ich es später auch nicht verbrennen.
Ich finde Tagebuchschreiben etwas vom Sinnlosesten und Überflüssigsten, das es gibt. Gerade für mich als Schriftstellerin wäre es pure Zeitverschwendung. Sicherlich, für die Hausfrau, die zum Unterhalten nur ihre drei Kleinkinder hat, mag es ja ganz nett sein, aber wenn man professionell schreibt, dann auch noch Tagebuchschreiben?
Wo nehmen die Leute bloß die Zeit her? Die scheinen wirklich unterbeschäftigt zu sein.