Sa 10 Nov 2007
Katja Lange-Müller ist fürs streichen
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[2] Kommentare
der roman Böse Schafe, bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, von Katja Lange-Müller hat viele feuilletons in diesem jahr beschäftigt. ein glück für die autorin, denn den weg zur veröffentlichung hat sie sich, wie bei allen ihren büchern, nicht leicht gemacht. Johanna Adorján hat die schriftstellerin gefragt: Besteht ihre Arbeit viel aus: wieder wegstreichen?
“Ich streiche immer wieder sehr viel beim beim Schreiben. Und am Ende noch mal. Streichen ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Das hat vielleicht mit meiner Vergangenheit als Schriftstzetzer zu tun. Ich war ja mal Handsetzer, ich habe mir hinterm Setzkasten die Beine in den Bauch gstanden und, weil das eine Scheißarbeit war, gegen Redundanzen, Wiederholungen, Weitschweifigkeit einen physischen Widerwillen entwickelt. Da kann ich nichts dafür. Sobald es allzu episch wird, verliere ich die Geduld. Es gibt, meine ich, so viel gute Literatur, daß jeder Schrifsteller versuchen sollte, das,was er zu sagen hat, so konzentriert wie möglich zu sagen. Weil der Leser ja nicht alle Zeit der Welt hat. Der will ja auch noch was anderes lesen als etwa Lange-Müller. Daher meine Skepsis gegen 800-Seiten-Romane, die das nicht rechtfertigen … Ich meine, bei Moby Dick möchte ich keine einzige Zeile missen, aber sonst … Das verstimmt mich, Bücher, die mit Absicht, so einfach aus Eitelkeit dick sind, weil jemand den Leser nur mit sich beschäftigen will, sich von seinen Geschöpfen nicht trennen kann, die Suada nicht unter Kontrolle hat.”
14. Januar 2009 um 02:48
Frau Lange-Müller spricht mir aus der Seele.
Je mehr geschrieben wird, um so weniger wird gesagt. Viel schreibt, wer sich nicht sicher ist, was er eigentlich sagen will.
Zu den Literatur- und Autorentagen auf Burg Ranis, las sie aus ihrem Buch “Böse Schafe” und ihre Schafe käuen nicht wieder, sie sind zum zuhören böse!
13. Februar 2009 um 18:03
Aber ja: Es muss erheblich viel mehr geschrieben werden, als zum Schluss übrigbleibt. Dabei werden doch Figuren, Hintergründe, Situationen entwickelt. Die zwar nicht auftauchen, aber in der Geschichte enthalten bleiben. So jedenfalls wird das ‘Kondensat’ stimmiger und für mich Nachvollziehbarer. Man lernt auch mehr von seinen eigenen Figuren kennen. Ich streiche letztendlich ca 80 %.