Mo 5 Nov 2007
zur frage des stils
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
1 Kommentar
von der schweizer schriftstellerin Elisabeth Binder, erschien in diesem jahr ihr neuer roman Orfeo bei Klett-Cotta. im Interview mit Urs Heinz Aerni beantwortet sie die Frage nach ihrem Schreibstil:
” (…) Wie findet man zu einer sprachlichen Form, die sowohl der eigenen Empfindung als auch dem jeweiligen Stoff entspricht? – Da spielt sicher immer viel verschiedenes mit hinein: Lese-, Schreib- und Lebenserfahrung. Das Temperament. Die Umgebung, in der man sich bewegt, die Gesellschaft, die Landschaft und die Weltanschauung im weitesten Sinne. Auch die Kunstanschauung. Aber im entscheidenden Moment ist es nie ein vorgegebener Stil. sondern immer die konkrete Arbeit am Text, das heißt, an der Gestaltung eines Stoffes, der Welt, die man herstellt, als Analogon der Realität oder als Gegenwelt, welche die entsprechende Sprachform verlangt. Und: Der Rhythmus ist wichtig, die Sprachmelodie, die musikalische Dynamik und Dimension der Sprache.”
11. Februar 2010 um 21:14
Der Stil ist für alle Schreibenden eine sehr persönliche Angelegenheit von subjektiv gesehen großer Wichtigkeit. Aus objektiver Sicht gilt zuerst die Maxime, der Stil habe sich dem Inhalt unterzuordnen. Dann gehen die Zeiten gehen dem Ende zu, in denen es der Leser hingenommen hat, wenn ein Autor manisch seine persönlichen Stilmarotten zelebrierte. Ich halte das für einen Fortschritt. Heutzutage setzt sich der Grundsatz durch, dass man um einen möglichst klaren, von allen Marotten und sonstigen Unverständlichkeiten befreiten, Stil bemüht ist. Absonderlichkeiten (um nicht gerade “Albernheiten” zu sagen) im Stil schaffen eine Eintrittsschwelle, hindern also den Leser an der Lektüre. Selbst Juristen, selbst Wissenschaftlern und sogar Literaten ist es zunehmend ein Anliegen, in einer verständlichen Sprache an das Publikum heranzutreten.
Außerdem entwickelt sich der persönliche Stil im Laufe der Zeit von selbst, ohne vom Schriftsteller bewußt forciert zu werden. Das führt nur in die Sackgasse der Stilmarotten.
ricochet