Mi 17 Okt 2007
die einsamkeit als basis der gemeinsamkeit
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[5] Kommentare
von autor und leser hat Wolfgang Hilbig in seiner dankrede vor fünf jahren zum Georg-Büchner-Preis thematisiert:
(…) der Platz der Literatur ist der Monolog: Es gibt da einen einsamen Schriftsteller, Poeten oder Dichter, der das Verbot des Alleinseins übertritt und seine Gedanken zu Papier bringt. Er mag da wohl an einen Leser denken, aber er kennt den Leser nicht. Wenn daraus ein Text oder ein Buch wird, so gelangt dies über die Umwege des Vertriebs an einen ebenso einsamen Leser, und wenn die Sache gutgeht, dann entwickelt sich im Kopf des Lesers ebenfalls ein Monolog. Auf diese Art funktioniert Literatur, und sie kann nur auf diese Art funktionieren. Alles, was der Schreiber über seinen Text hinaus von sich preisgibt, gehört nicht mehr der Literatur, es gehört den Massenmedien und der Vermarktung von Literatur. Es reißt jedenfalls das Geheimnis nieder, das in der sonderbaren Zweierbeziehung zwischen Schreiber und Leser besteht, und damit vielleicht auch das Interesse des Lesers an der Literatur.”
das war 2002 und damals fühlte sich Wolfgang Hilbig endlich sorgenfrei: “Ich bin endgültig in der Eliteliga angekommen. Honorare steigen, was ich schreibe, wird gedruckt und mit dem Preisgeld erreiche ich ohne Probleme die Rente.” in der eliteliga ist er angekommen, aber die rente hat er nicht mehr erreicht: Wolfgang Hilbig starb im juni dieses jahres. sein berühmter roman “Ich” handelt von einem lyriker als Stasispitzel.
22. Oktober 2007 um 12:00
Ohne geht es nicht, bei mir jedenfalls.
Seit ich schreibe und ich kann mich nicht daran erinnern wie es war, bevor ich schrieb, verwende ich Notizbücher, aber auch Tagebücher. Diese Notizen sind Gedanken und Abbilder meines Denkens und meines Lebens.
Im letzten Jahr kämpfte ich gegen den Brustkrebs und verlor eine große Liebe. Was parallel dazu, in diesem einsamen Kampf, entstand: Neun Leben, ungebunden, ausgelebt. Das ist der Titel unter dem das Buch im Frühjahr erscheint. Hätte ich das Schreiben nicht, wäre ich ziemlich sicher Malerin geworden. Wie sonst überleben andere Menschen, die nicht schreiben oder malen? Das frage ich mich oft…
3. Januar 2008 um 17:20
Ich fühle mich unglücklich, wenn ich nicht schreibe, doch wenn ich schreibe bin ich auch nicht glücklich. Das Schreiben ist jedes Mal eine schwere Geburt; wenn ich schreiben will muss ich jedes Mal riesige Barrieren überwinden,doch ohne geht nich, es ist eine Sucht; jeder der schreibt sucht.Um zu schreiben muss ich leben, doch wenn ich lebe kann ich nicht schreiben. Unter Menschen fühle ich mich unwohl, weil ich denke, dass ich eigentlich was schreiben könnte. Schreibe ich, habe ich einen verflixten Drang mich wieder mit Bekannten zu treffen. Diese Zerrissenheit zwischen Wunsch nach Einsamkeit und Geselligkeit ist sehr groß.
9. Februar 2008 um 14:25
ich habe lange versucht, meine Gedanken und Gefühle in Bezug auf dieses Thema auf den Punkt zu bringen – so wie Frank ist es mir allerdings nie gelungen..
25. Februar 2009 um 12:28
Ich schreibe sehr gerne Kurzgeschichten.
Das Gefühl ist eine Art Mitteilungsbedürfnis, aber auch die bildlichen Gedanken, was ein Leser wohl dann denken mag, wenn er diese Kurzgeschichten liest.
Lese ich sie selbst nach einigen Wochen oder Monaten, merke ich sofort, wann es mir nur aus der Feder kam und wann meine Gedanken irgendwo anders waren.
Die Konzentration kann man nicht erzwingen, sie muß gelebt werden
26. März 2009 um 09:29
Seit ewig schon führe ich den Kampf “Malen und Schreiben, Malen oder Schreiben, nur Malen, nur Schreiben….
Schreiben fällt mir schwerer, wenn ich damit aufhöre, nur male, spring mich das Wort immer wieder an. Es ist wohl so wie mit Zwillingen. Trotzdem bin ich jetzt in einer Phase des “ernsthaften” Schreibens. Beim Malen ist man weniger einsam. So schreiben können wie ich malte. Geduld.