„Die Aufgabe eines Schriftststellers ist es, Geschichten von Menschen zu bergen, die andernfalls vergessen wären.“, sagt der amerikanische schrifststeller Stewart O’Nan (Das Glück der Anderen).

mit anderen worten sagt es die türkische schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar, die 2004 den Kleist-Preis erhielt: „Mein erstes Buch „Das Leben ist eine Karawanserei“ begann mit der Einsicht, daß ich eine sehr schöne, poetische Kindheit gehabt hatte. Aber die Menschen, die da eine Rolle gespielt hatten, waren schon tot. Deshalb wollte ich sie zuerst mir ins Gedächtnis rufen, die Erinnerung aber auch für andere beschwören. Es war mein Bedürfnis:  Figuren, die mir enormen Spaß gemacht hatten – meine Großmutter, verrückte Frauen auf der Straße -, auch anderen zu schenken, damit auch sie Spaß haben. Und um zu zeigen: So hat man gelebt.“

egal ob ich gerade versuche andere menschen oder mich unsterblich zu schreiben,  ich lerne mich dabei besser kennen als ich möchte. dürfen zum beispiel meine charaktere glücklich sein während ich in einer krise stecke? bin ich ein unentdeckter rache engel? wo hört mein mitgefühl auf, wenn es um unsympathische figurkreationen geht? vor anderen kann man sich als autor natürlich immer rausreden – alles fiktion, alles klar?