Mi 22 Aug 2007
respekt vor dem schriftststeller: Roberto Saviano
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[2] Kommentare
in Duisburg vorige woche: die 7 morde, die der Mafia zugeschrieben werden, haben uns über jene noch nicht so bekannten patengeschäfte gleich in der nachbarschaft, in pizzarien und immbolien aufgeklärt. der autor von Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra, dessen buch in diesem jahr im Hanser-Verlag erschien, weiß von weit mehr geschäften. er kennt die attitüde sogenannter giftmüll-paten, deren einstellung zu verseuchtem trinkwasser etwa so lautet: ” Wir trinken doch ohnehin nur Mineralwasser.” Roberto Saviano wohnt dort, wo die Mafia-clans zuhause sind:
“Mich haben die Bosse natürlich auch fasziniert. … ich bin da mittendrin aufgwachsen. … Um meine Mutter zu schockieren, habe ich früher auch drei Ringe getragen, so wie das die Killer bei uns taten.”
heute, nachdem sein buch erschienen ist, braucht er tag und nacht polizeischutz. wenn er in der bibliothek für sein nächstes thema recherchiert, bei gericht akten einsieht oder zu einer verabredung eilt, klären zwei erfahrene carabinieri zuvor die umgebung. einen hohen preis muß er dafür zahlen, daß er über die syndikate aufklärt:
“Viele meiner Freunde haben sich zurückgezogen. Aus Angst. Ich kann das verstehen, aber es macht mir schon etwas aus.”
dieser autor opfert sein privatleben, um die öffentlichkeit auzufklären. es ist seine empörung darüber, dass seine nachbarn und die mehrheit der bevölkerung eines ganzen landstrichs durch mord und korruption unterdrückt werden, dass wenige, die macht haben, ein klima von mißtrauen und permanenter angst schaffen. Roberto Saviano ist 28 Jahre alt.
es gibt viele menschen, denen die courage fehlt, sich gegen weit weniger gefährliches unrecht zu äußern und sei es, eine konträre, nicht opportune meinung zu vertreten.
26. August 2007 um 23:17
bewundernswert!!!
15. Februar 2009 um 22:08
…nach der Lektüre wurde mir klar, dass kein großer Unterschied zwischen der Wirtschaftskriminalität hierzulande und den mafiosen Strukturen in Italien besteht. Nur geht man bei Armut leichtfertiger über Leichen.
Das Buch zeigt wirtschaftliche Macht weltweit bis in die Wühltische unserer Supermärkte auf und schreckt nicht davor zurück die Nutznießer, die “sauberen Markenfirmen”, mit einzubeziehen. Ein Meisterwerk wahrer Geschichtsschreibung.