Do 2 Aug 2007
zwei schriftsteller: wünschen und brauchen
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[2] Kommentare
“Einen Garten wollte ich haben, ein Haus, eine Familie, Freiheit, ein leidliches Auskommen, einige gute Bücher, einen Tisch, Schreibutensilien und Rauschmittel.”
der ungarische schriftsteller György Konrad spricht von lebenswünschen, aber nicht davon, ob sie sich erfüllt haben. da er nicht mehr jung ist, hoffe ich, das leben war gut zu ihm und “das leben” hat ihm einiges davon zugestanden. meine wünsche kommen eher einzeln, meist, wenn ich etwas direkt brauche. aber was ich “vom leben erwarte”, wie es sein sollte? vielleicht fehlt es uns oft an mut, auszusprechen, was weit von unseren wirklichen möglichkeiten entfernt ist? György Konrad hatte ihn und ich bin überwältigt davon wieiviel wünsche in zwei zeilen, in einem satz, platz finden und den meinen gleichen .
auch Friederike Mayröcker geht in ihrem gedicht “was brauchst du?” auf lebenswünsche ein: “… du brauchst einen Baum du brauchst ein Haus/ keines für dich allein nur einen Winkel ein Dach/ zu sitzen zu denken zu schlafen zu träumen/ zu schreiben zu schweigen zu sehen den Freund …” sie spricht direkter aus, nahezu beschwörend, was du brauchst. und sie sagt, wozu du es brauchst – als grundlage eines lebens. mit wie wenig sie sich zufrieden gibt und wieviel sich damit erfüllt!
was wünschen, wollen, brauchen wir? sich zu entscheiden, welches minimum wir brauchen, kann die kreativivät anregen, ihr eine richtung geben. und wir verzichten leichter auf geld und besitz, wenn wir wissen, was wirklich wichtig für uns ist.
2. August 2007 um 12:52
Ja, das ist wohl wahr. Aber noch schöner ist es, wenn wir nicht auf Geld und Besitz verzichten müssen, sondern es uns mit der Erfüllung unserer Wünsche erarbeiten können.
Daß die Wünsche von György Konrad so sehr mit unseren (nicht nur Deinen, Gerhild, sondern auch meinen
) übereinstimmen, finde ich jetzt nicht so überraschend. Fast alle Schriftsteller haben wohl dieselben Wünsche, denke ich.
Wir wünschen uns doch alle, daß wir von unserer Arbeit, von dem, was wir im allgemeinen am liebsten tun (davon gehe ich einmal aus), nämlich Schreiben, leben können, und daß wir dadurch ein wenig mehr Freiheit gewinnen als jemand, der jeden Tag zu einer bestimmten Zeit ins Büro oder auf eine Baustelle gehen muß.
“Schreibutensilien” sind vielleicht etwas, was sich ein Nicht-Schreibender nicht unbedingt als lebensnotwendig wünscht, aber alle seine anderen Wünsche sind doch eher banal (was ich nicht abwertend meine, sondern im Sinne von “vielen eigen”) und werden somit wohl von den meisten geteilt, ob Schriftsteller oder nicht.
Übereinstimmungen sind deshalb wohl wenig verwunderlich. Mayröcker ist bescheidener (wie die meisten Frauen. Konrad ist halt ein Mann, er will gleich ein ganzes Haus.) und mehr auf einen Menschen bezogen, auch frauenspezifisch, aber zum Schluß ist es doch dasselbe.
Sie braucht z.B. einen Baum, was in der Großstadt manchmal schon ein unerfüllbarer Traum ist. Also dann doch wieder nicht ganz so bescheiden.
Was wünschen, wollen, brauchen wir?
Ja, das ist eine gute Frage. Virginia Woolf sagte: “Ein Zimmer für sich allein”, und dem würde ich mich anschließen. Vielleicht gibt es Leute, die im Trubel eines offenen Wohnzimmers schreiben können, ich kann es nicht.
Ich brauche eine Tür, die ich hinter mir zumachen kann, ein Zimmer, in dem mich niemand stört. Wenn meine Tür geschlossen ist, weiß jeder, daß er jetzt nicht stören darf, daß ich jetzt schreibe.
Daß ich diese Möglichkeit habe, erfüllt mir schon einen Teil meines Lebenstraums.
Gruß,
eine Schriftstellerkollegin
2. August 2007 um 16:18
Apropos Wünschen und Brauchen:
Ich würde mir wünschen, daß ich hier im Tieger-Blog immer die neuesten Kommentare direkt sehen könnte. So daß man auch sieht, wenn zu einem älteren Beitrag ein neuer Kommentar geschrieben wurde.
Und zweitens: Ich würde mir wünschen, daß man eine Vorschau hätte, wenn man einen Kommentar schreibt, so daß man sieht, wie das genau aussieht, was man geschrieben hat, und es eventuell auch noch einmal bearbeiten kann, bevor man es abschickt und dann (zu spät) sieht, daß man einen Fehler gemacht hat.
Danke und Gruß,
eine Schriftstellerkollegin