Mo 30 Jul 2007
der leser weiß es besser
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[2] Kommentare
eine großzügige einstellung zu dem, was die leser in ihre romane hineinlegen, hat die schriftstellerin Anna Quindlen:
“Ich muß gestehen, ich hasse es, über meine Romane zu sprechen, nachdem sie erschienen sind. Schon deshalb, weil so vieles darin ganz intuitiv mit eingeflossen ist, dass es mir schwer fällt, es zu erklären. Hinzu kommt, dass die Leser in meinem Buch ständig Dinge entdecken, die von mir nicht so gemeint waren, die aber tatsächlich so zu verstehen sein könnten. Deshalb bin ich am glücklichsten, wenn die Leute mir meine Arbeit erklären, statt umgekehrt ich ihnen.” ,
überraschend finde ich, daß diese autorin so gelassen darauf verzichtet, eine ganz bestimmte botschaft verstanden zu wissen. denn kaum ist das neue buch eines schrifststellers aus druckerei gekommen, wird es schon von anderen auseinandergenommen, wird es analysiert, interpretiert und kritisiert. leser, kritiker und literaturwissenschaftler entdecken mögliche absichten, zusammenhänge und abgründe. auch dramaturgen und regisseure bei theater und film und natürlich die schauspieler, die ihr eigenes verständnis eines charakters im stück oder einer figur herausarbeiten. mit welchen wahnsinnsmitteln ihnen das gelingt, weiß ich erst, seitdem wir Uta Hagens kleines schauspieler-handbuch im lektorat haben. ich hätte nie gedacht, dass psychologie und suggestion dabei so wichtig sind. aber spielen die für den schriftsteller nicht auch eine große rolle, wenn er personen und handlung entwickelt?
31. Juli 2007 um 12:19
Ja, das finde ich auch immer wieder erstaunlich. In meinen Büchern finden die Leser/innen auch immer wieder Sachen, von denen ich noch nicht einmal etwas geahnt habe.
Ich finde das lustig, und es zeigt, wie sehr der alte Grundsatz gilt: Eine Aussage ist niemals das, was man sagt, sondern das, was beim Empfänger ankommt.
Man kann beim Schreiben keine bestimmte Botschaft mitgeben, nicht mit Absicht. Man kann nur versuchen, so gut zu schreiben, daß das, was man sagen will, nicht ganz verloren geht.
Gruß,
eine Schriftstellerkollegin
25. Februar 2009 um 10:43
Aber ist es nicht der Sinn und Zweck das jeder Leser seine ganz eigene Meinung zu einem Buch hat?
Kritik über ein Buch kann meiner Meinung nach nur in sofern stattfinden als das “SchriftStile”,und/oder Besonderheiten in der Art des Erzählens gefunden werden können.
Eine definitive Deklarierung in sachen “SO und SO hat der Autor das gemeint” ist meiner Meinung nach immer nur eine Mutmaßung und kein Fakt.
Es läßt sich darüber diskutieren, und andere sehen es warscheinlich auch wieder ganz anders als ich weil sie eine andere Meinung haben… Ein zusammenfassender Satz bringt es am besten auf den Punkt : Ein Buch und seine Aussage liegen immer im Auge des Betrachters.
Mit freunlichem Gruß, Chris