eine großzügige einstellung zu dem, was die leser in ihre romane hineinlegen, hat die schriftstellerin Anna Quindlen:

“Ich muß gestehen, ich hasse es, über meine Romane zu sprechen, nachdem sie erschienen sind. Schon deshalb, weil so vieles darin ganz intuitiv mit eingeflossen ist, dass es mir schwer fällt, es zu erklären. Hinzu kommt, dass  die Leser in meinem Buch ständig Dinge entdecken, die von mir nicht so gemeint waren, die aber tatsächlich so zu verstehen sein könnten. Deshalb bin ich am glücklichsten, wenn die Leute mir meine Arbeit erklären, statt umgekehrt ich ihnen.” ,

überraschend finde ich, daß diese autorin so gelassen darauf verzichtet, eine ganz bestimmte botschaft verstanden zu wissen.  denn kaum ist das neue buch eines schrifststellers aus druckerei gekommen,  wird es schon von anderen auseinandergenommen, wird es analysiert, interpretiert und kritisiert. leser, kritiker und  literaturwissenschaftler entdecken mögliche absichten, zusammenhänge und abgründe. auch dramaturgen und regisseure bei theater und film und natürlich die schauspieler, die ihr eigenes verständnis eines charakters im stück oder einer figur herausarbeiten. mit welchen wahnsinnsmitteln ihnen das gelingt, weiß ich erst, seitdem wir Uta Hagens kleines schauspieler-handbuch im lektorat haben. ich hätte nie gedacht, dass psychologie und suggestion dabei so wichtig sind. aber spielen die für den schriftsteller nicht auch eine große rolle, wenn er personen und handlung entwickelt?