Fr 27 Jul 2007
no sex, please
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[4] Kommentare
neulich habe ich mich mit keinem autor unterhalten, der mann war ein echter nur-leser. natürlich sprachen wir über bücher. “empfehlen sie mir bloß nicht die üblichen geschichten,” sagte er, “männer betrügen ihre beziehungen, frauen zeigen, dass sie es auch können, beide haben expliziten sex und langweilen sich, bis es sie nicht mehr gibt.”
ich muß etwas überrascht ausgesehen haben. kündigt sich da etwa eine neue leserverdrossenheit an?
“naja, ich brauch das alles nicht, hab ich selbst genug von”, meinte er. könnte das der grund dafür sein, daß sich krimis immer besser verkaufen?
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27. Juli 2007 um 14:36
Oder daß Bücher mit Happy End gern gelesen werden?
Leider werden Bücher, die kein tragisches Ende enthalten oder einen positiven Ausblick bieten, gern als “trivial” abgetan.
Sind denn nur Bücher gut oder nicht trivial, die immer wieder die schlechten Erfahrungen wiederholen (und breittreten), die wir alle schon gemacht haben oder immer noch machen? Ist es Aufgabe des Autors, immer nur zu kritisieren und das zu beschreiben, was nicht funktioniert, aufzuzeigen, was an der Welt nicht stimmt?
Sicherlich, auch, aber warum werden Bücher, die das Leben auch einmal positiv beschreiben oder eine Problemlösung anbieten, so verachtet? Die Leistung des Autors ist genauso groß bzw. vielleicht sogar noch größer, denn er muß sich ja ständig gegen die negativen Einflüsse von außen wehren und ein positives Weltbild – zumindest in seinen Büchern – dagegensetzen, ja erst einmal entwickeln, denn so etwas ist heutzutage ja nicht “en vogue”.
Wollen wir alle lieber leiden als glücklich sein?
Das frage ich mich.
Gruß,
eine Schriftstellerkollegin
28. Juli 2007 um 08:40
<blockquote cite=”">Sind denn nur Bücher gut oder nicht trivial, die immer wieder die schlechten Erfahrungen wiederholen (und breittreten), die wir alle schon gemacht haben oder immer noch machen?</blockquote>
Das Befassen mit dem Leid der anderen lässt das eigene Leben erträglicher erscheinen. Das funktioniert gut als Geschäft (Nachrichten, TV, BILD) und wirtschaftliche Aspekte bestimmen den Großteil der Öffentlichkeit und damit unsere Leben.
Und wenn ich in einem Roman/Erzählung etc. die unerträgliche Geschichte eines anderen lese, dann erscheint mir mein kleines Leben doch recht entspannt zu sein und ich fühle mich gut.
.
)
Somit hat das Buch, hintenherum, zum eigenen Wohlbefinden beigetragen
(Das ist natürlich nur (m)eine Sichtweise
schön tag noch
m.
29. Juli 2007 um 19:47
Eine weitere Sichtweise ist, dass nach dem Weltkrieg und dem zweiten Weltkrieg die Liebes- und Happyendgeschichten boomten. Der Mensch sehnte sich nach Ruhe, Romantik und Idylle.
Wie lang hatte die USA keinen Krieg im eigenen Land bis Horror und Thriller jeder Art gefragt waren und bis heute sind? In Europa ist seit 62 Jahren Frieden, die jüngere- und heranwachsende Generation erlebte kein so blutrünstiges, menschenverachtendes Leid. Ein Gefühl von Schmerz, Ekel, Hass, Todesangst…, dass sie nicht kennen. Ein Gefühl auf das sie neugierig sind!
Leider ist kaum eine realistische (wenn auch literarisch veredelte) Story dabei, die ethisch vertretbar wäre. Es wird auf extremen Horror und Psychoterror gesetzt und die Krimis sind auch härter. Verkauft sich eben gut, denn sie wollen fühlen – aus ihrer Idylle heraus.
Gruß Michael
25. Januar 2008 um 02:24
Ich schreib gerne komische Geschichten. Die Figuren geraten in für Sie existenzielle Situationen, die aber nach außen eher grotesk wirken. Am Ende befriedige ich meine eigene Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung.
Das macht Spass.
Grüsse,
Stefanie