Mi 25 Jul 2007
Hemingways lohn
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[2] Kommentare
es gibt texte, von denen verabschiede ich mich eilig. ich weiß nicht, was ich davon halten soll. könnte ganz gut sein, aber habe ich das geschrieben? statt sie zu löschen, speicher’ ich sie – schnell, schnell in den ordner und stürze ich mich auf so profanes wie salat vorbereiten. der text bleibt liegen, bevor ich den mut habe nachzulesen, was ich da aus mir herausgelassen habe. ich erkenne mich nicht darin, ein wechselbalg, fremd, aber vielleicht gar nicht so schlecht?
als Hemingway an Der alte Mann und das Meer arbeitete, hat er sich selbst ermutigt. in einem brief an Bernard Berenson schrieb er 1954:
“Man gibt sich immer Illusionen hin über das letzte, was man geschrieben hat (…) wir sollten das, von dem wir wissen, daß wir es gut gemacht haben, nicht zu pessimistisch beurteilen, denn wir haben einen Lohn verdient, und der einzige Lohn ist in uns selbst.”
26. Juli 2007 um 18:02
“ich erkenne mich nicht darin”
Ja, das kenne ich.
Meist ist die Entstehung dieser Texte aber auch einer Art Rausch zu danken, jedenfalls ist es bei mir so. Das heißt, ich habe geschrieben, ohne abzusetzen. Es ist mir in die Feder – pardon, die Tastatur – geflossen, ohne daß ich das Gefühl hatte, darauf Einfluß zu haben. Als ob es jemand anderes geschrieben hätte. Als ob ich besessen gewesen wäre.
Manche dieser Texte verwende ich später dann doch, aber oftmals kann ich sie nirgends einbauen, sie passen einfach zu nichts anderem. Dann lese ich sie höchstens einmal wieder und wundere mich, daß ich das geschrieben habe.
Gruß,
eine Schriftstellerkollegin
26. Juli 2007 um 18:04
“Der einzige Lohn ist in uns selbst.”
Ich fürchte, so ist es.
Gruß,
eine Schriftstellerkollegin