Mo 23 Jul 2007
nacherzählen als kunst?
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
[5] Kommentare
warum stehlen autoren menschen, meist auch noch aus ihrem bekannten- und freundeskreis (notorisch war Truman Capote als mißbraucher) und verarbeiten sie zu text? warum werden romanfiguren oft nicht einmal mit schminke, neuen allüren, mit fremder kleidung und veränderten vorlieben für die leser unkenntlich gemacht? warum verzichten schriftsteller von zeit zu zeit auf die gnädige camouflage? geht es um revanche, neid, missgunst?
der begriff aus dem englischen: ill will trifft die absicht wohl am ehesten. in letzter zeit gab es etliche spektakuläre gerichtsverfahren mit solchem hintergrund gegen schriftsteller – und ihre verleger. es ging und geht noch darum, bücher, die im buchhandel verboten sind, aus dem lager der auslieferung zu befreien.
die finanziellen verluste für die beteiligten sind schwer zu verkraften. für die autoren, weil sie lange an einem buch gearbeitet haben, dessen auflage nicht verkauft werden darf. für die verleger, weil sie nicht nur den vorschuss an den autor, sondern auch alle anderen kosten für lektorat, satz, gestaltung, druck und die werbung im buchhandel bereits gezahlt haben. nun wird jahrelang prozessiert.
ist nicht der schriftsteller ein meister der fantasie, ein sensibler, dem die nuancen der formulierung geschenkt worden sind, dazu witz und ironie? er wäre nicht auf das eins-zu-eins nacherzählen angewiesen, oder was meint ihr?
5 Kommentare für “ nacherzählen als kunst? ”
Kommentare:
Hinterlasse einen Kommentar
Trackbacks & Pingbacks:
-
Pingback from Was ich mir so denke . . . » Wirklichkeit versus Phantasie
28. Juli 2007 um 01:06[...] auch einen eigenen Blog. In diesem Blog las ich vor ein paar Tagen einen Eintrag mit dem Titel »Nacherzählen als Kunst«, den ich interessant finde. Hier ein Auszug daraus: Ist nicht der Schriftsteller ein Meister der [...]
-
Trackback from kunst
28. September 2007 um 11:18kunst…
Ja das finde ich auch!…
26. Juli 2007 um 17:20
Das ist irgendwie eingerissen, ich denke an Esra von Maxim Biller, der als Kunstfreiheit beansprucht, was seine frühere Freundin und deren Mutter vermutlich als Verrat empfinden. So ginge es mir auch, als Nicht-Juristin gesprochen. Nur das Grundsätzliche, die Kunstfreiheit, darf nicht eingeschränkt werden – die Gefahr besteht jetzt.
26. Juli 2007 um 17:43
Ich verwende ehrlich gesagt nie “wirkliche Menschen”, ich fände das unverschämt. Natürlich setzen sich meine Figuren aus Teilen von Menschen zusammen, die ich kenne oder gekannt habe, aus Reaktionen, die ich selbst einmal hatte oder die andere mir gegenüber gezeigt haben, aus Erkenntnissen, die ich selbst gewonnen habe wie auch aus Erkenntnissen, die ich von anderen übernommen habe.
Aber wenn man so reale Charaktere verwendet, das sie wiedererkennbar sind, das scheint mir oft Rache zu sein, auf jeden Fall finde ich es nicht fair.
Und es spricht nicht für die Qualität des Autors. Denn ein Schriftsteller ist für mich in erster Linie jemand, der Phantasie haben sollte, nicht jemand, der einfach aufschreibt, was ist oder was er erlebt hat. Die Berufsbezeichung dafür ist Journalist, nicht Schriftsteller. Wobei natürlich auch Journalisten Leute, die sie kennen, nicht diskreditieren sollten, schon mal gar nicht.
Warum tut man so etwas? Wenn man einen Menschen so beschreibt, wie er ist, und ihn damit den Wölfen vorwirft – was hat man dadurch gewonnen? Vielleicht die eigenen Minderwertigkeitskomplexe kompensiert?
Ich weiß nicht. Wie gesagt, für mich ist jemand, der nicht genug Phantasie hat, sich eigene Figuren auszudenken, kein Schriftsteller, er ist höchstens ein Schreiber.
Gruß,
eine Schriftstellerkollegin
26. Juli 2007 um 17:47
Nachtrag:
Und “Kunst” ist das schon mal überhaupt nicht.
SK