eine freundin hat mir ‘Das Mädchen auf der Lotoblume’ geschickt. als gewohnheitsmäßige quereinsteigerin finde ich sofort den stichsatz, der mich in dem ersten der beiden kleinstromane festhält. die etwa zwazigjährige malerin und ich-erzählerin flüchtet vor dem Heiiigen Georg und sich selbst ins ‘Heim, das Maler und Schriftsteller beherbergt’. sie lernt einen märchendichter, einen romanschriftsteller, einen filmautor und den blondsträhnigen engel Hendrik kennen. und sie spielt mit den gefühlen der männer. die einzige, mit der sie es schwer hat ist die mitbewohnerin, die das zimmer unter ihr hat: ‘… die ältliche Dame im Zimmer unter mir klapperte auf ihrer Schreibmaschine. Margret L. heißt die Dame, sie ist Kritikerin, ich hab ihren Namen schon öfter gelesen. Sie zerreißt mit Genuß junge Dichter, wahrscheinlich hat sie auch mal versucht, Gedichte zu schreiben solche Leute sind gemeingefährlich.’

diese vermutung kommt mir bekannt vor. erst vor kurzem hat ein von der kritik schwerverletzter romanschreiber bemerkt: die probleme der literaturkritiker, lägen in ihnen selbst. deshalb würden sie ihre vernichtunsarbeit so genießen. ob ein literaturkritiker wirklich selbst ein guter literarischer schreiber sein muss, um kompetenz zu beweisen und die arbeit anderer autoren beurteilen zu können?

Das Typoskript zu den ‘zwei unvollendeten Romanen’ der bekannten DDR-Schrifstellerin Brigitte Reimann (bekanntester Roman ‘Franziska Linkerhand’ )wurde vor zwei Jahren erstmals im Aufbau Verlag veröffentlicht..